Für ihre Serie „Scribbles“ sammelt Charlotte Klobassa kleine Probierzettel aus Schreibwarengeschäften, auf denen Kunden Stifte und andere Schreibgeräte ausprobiert haben, und überträgt sie auf großformatige Leinwände. Auf den folgenden Seiten 98–107 sind einige dieser Arbeiten zu sehen. Ihre Vorgehensweise beschreibt die Künstlerin im Detail so:
„Was passiert, wenn niemand hinschaut, aber trotzdem etwas entsteht? In Schreibwarenläden liegen oft diese kleinen Testblätter auf – gedacht, um kurz einen Stift zu prüfen. Darauf: Kritzeleien, Kringel, Wörter. Kein Adressat, keine Absicht. Und doch: ,Hello hello‘, ,Montag‘, ,Use Use Use‘ – Begriffe, die sich zwischen die Spuren legen, als richteten sie sich an irgendwen.
Diese Zettel wirken wie kollektive Notate. Viele Hände, viele Tempi, kein Plan. Was sich überlagert, ist mehr als nur Tinte. Es sind flüchtige Kontaktversuche, unbewusste Selbstäußerungen. Der Moment, in dem jemand nicht nur den Stift testet, sondern vielleicht auch sich selbst.
Ich sammele diese Fundstücke, zerlege sie, schichte sie neu. Die entstandenen Collagen sind keine Reproduktionen, sondern Umdeutungen: Fragmente individueller Gesten werden in neue Spannungsverhältnisse gesetzt. Was beiläufig war, wird plötzlich lesbar – nicht als Botschaft, sondern als visuelles Echo geteilter Regungen. Ein Archiv des Unbeabsichtigten, das sich selbst nicht kennt.“