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Kirchenmaler ohne Kirche

Hermann Nitsch, der 2022 verstorbene Schöpfer des „orgien mysterien theaters“, hat auch Musik geschaffen. Das ist bis heute wenig bekannt. Der aus Osttirol stammende Musiker Ludwig Lusser, seit zwanzig Jahren Domorganist zu St. Pölten, arbeitete öfter mit dem umstrittenen Aktionskünstler zusammen – und erkennt in dessen musikalischen Werken eine faszinierende Individualität. Eine Spurensuche von Walter Weidringer.

Zur Begegnung mit Hermann Nitsch:
Eine Vorgeschichte

In diesem Text geht es nicht um mich. Ich habe Hermann Nitsch auch gar nicht persönlich gekannt – es hat sich einfach nicht ergeben, obwohl genug Zeit und manchmal sogar Gelegenheit gewesen wäre. Zum Beispiel anlässlich seiner Inszenierung von Jules Massenets Hérodiade an der Wiener Staatsoper, mit Agnes Baltsa und Plácido Domingo: Am 12. Februar 1995 war ich in der ersten Reihe des Parterrestehplatzes und erinnere mich an die vom Schnürboden herablaufende blutrote Farbe als Symbol für die Enthauptung des Jean, also Johannes des Täufers. Liest man heute Nitschs damalige Anmerkungen im Programmheft – in seiner typischen Orthographie –, muss man darüber schmunzeln, dass seine Ansichten zu Inszenierungen mit denen vieler Menschen übereinstimmten, die ihm als Proponenten seines „6 tage spiels“ und des „orgien mysterien theaters“ eher mit Abscheu begegneten: „mit den auswüchsen des regietheaters ergab sich meine weiteste entfernung zu den zeitgemässen inszenierungen. mir ist es ein dorn im auge, dass man wegen zweitrangiger effekte die werke unserer klassiker verhunzt, verstümmelt und verfremdet. […] die herren sollen ihre eigenen stücke schreiben und nicht grosse verstorbene autoren mit ihren gestohlenen einfällen garnieren.“
Ich weiß aber noch genau, wann ich mit ihm und seinem Schaffen zum ersten Mal in Berührung gekommen bin – und welche Wirkung diese indirekte Begegnung hatte. Deshalb diese persönliche Vorbemerkung. Es geschah durch eine Ausgabe der Ö1-Sendereihe Menschenbilder, in der Nitsch über sein Leben und seine Arbeit berichtete. Ein Blick ins ORF-Archiv zeigt: Die von Marieluise Bonaparte gestaltete Sendung wurde am 20. November 1988 ausgestrahlt. Paradoxerweise begegnete demnach ein neugieriger Mittelschüler in Oberösterreich dem bildenden Künstler und Theatermenschen Hermann Nitsch zunächst über ein Medium, das keinen direkten, sinnlichen Zugang zu seinen Arbeiten erlaubte. Wohl aber vermittelte es die Erfahrung eines Menschen – über seine Rede, seine Erzählungen und Erklärungen, seinen Stimmklang und seine Intonation. Ein durchaus musikalisches, harmonisches Erlebnis. Und die Frage, die sich dabei einprägte und bis heute nachhallt: Warum all diese Proteste gegen einen Künstler, der so freundlich und klug seine Ideen vertrat?

Mit Ludwig Lusser Nitschs Musik hören

Dem Großteil der österreichischen Bevölkerung dürfte Hermann Nitsch auf ähnliche Weise bekannt geworden sein – nämlich indirekt, und meist mit dem prononcierten Unterton des Skandals. So war es auch bei Ludwig Lusser. 1969 im Osttiroler Innervillgraten geboren und bald in Innsbruck als Pianist und Organist ausgebildet, schien dem Gymnasiasten im Paulinum in Schwaz mit „der einfach gestrickten Denkart des Bergbauernsohns“, wie Lusser heute schmunzelnd anmerkt, sehr schnell unverständlich, warum sich denn die Leute über Nitsch so aufregten – oder vielleicht besser gesagt: sich über ihn aufregen wollten. Besonders in Erinnerung sei ihm eine Ausgabe der legendären Diskussionssendung Club 2 im ORF-Fernsehen, in der Richard Nimmerrichter, als „Staberl“ berühmt-berüchtigter Kolumnist der Kronen Zeitung, gegen Nitsch wetterte.
Konkret mit Hermann Nitsch beschäftigen konnte sich Lusser dann während seiner Studienzeit an der heutigen Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, als vermehrt Schriften und Bücher sowohl von als auch über Nitsch erschienen. Danielle Speras erstmals 1999 publiziertes Buch Hermann Nitsch. Leben und Arbeit (Brandstätter) bedeutete für ihn einen großen Schritt vorwärts: „Das hat damals in leicht zugänglicher Gesprächsform eine Fülle an Texten geboten und war ein breiter möglicher Leseweg zu Nitsch und seinem Schaffen.“ Lusser konnte nun immer klarer erkennen, „wie gründlich und eigenständig der Künstler uraltes Denken, die Mythologien sämtlicher Kulturen –
von den Urzeiten der Menschheit bis in unsere Tage – behandelt und in seine Arbeit einbezogen hat.“
So komplex diese Konzepte in ihren Implikationen sein mochten, so einfach, verständlich und nah an der Lebenswirklichkeit empfand es der schon erwähnte „Bergbauernsohn“: „Das häusliche Schlachten und dadurch auch der Umgang mit Blut war nicht nur nicht ekelerregend, sondern ein völlig natürlicher Vorgang.“ Auch die Blasphemievorwürfe – zumal von klerikaler Seite – wollten dem in katholischem Umfeld sozialisierten späteren Kirchenmusiker Lusser nicht in den Kopf. 
Dazu kam dann noch die Überraschung, dass Nitsch auch für die Musik seiner Aktionen verantwortlich zeichnete, er also ein „sich Musik ausdenkender“ Künstler war. „Und um 2005 herum“, so Lusser, „machte ich die Entdeckung, dass er auch Orgelmusik komponierte.“ Nach etwas Befremden und Erstaunen begann diese kompositorische Tätigkeit Nitschs dann in Lussers Ohren und Augen immer mehr zu gewinnen: „Je mehr ich mich damit beschäftigt habe, desto großartiger habe ich es gefunden.“
Damals hatte Lusser anlässlich der mehrtägigen, im Wiener Burgtheater stattfindenden Performance „area seven“ als Orgelimprovisator mit dem Theatermacher und Aktionskünstler Christof Schlingensief (1960–2010) zusammengearbeitet. In den Gesprächen während der Vorbereitung schwärmte Schlingensief von Hermann Nitschs Orgelkonzerten, von denen Lusser darauffolgend neugierig Mitschnitte anhörte.
Dabei ist anzumerken, dass sich Lusser selbst als „Nicht-Komponist“ bezeichnet, zugleich aber ein ebenso erfahrener wie begabter Improvisator ist. Seit seinen Schülertagen im Schwazer Paulinum der 1980er Jahre, wie er selbst vorsichtig formuliert, habe er in dieser Funktion „‚schöpferischen‘ Anteil an der Entstehung von Musik“ zu „erleben“. Dementsprechend konnte er bereits damals auf ein reichhaltiges empirisches Wissen im Bereich der Cluster-Improvisation zurückblicken – beeinflusst durch Improvisationen von Wolfgang Mitterer und durch das Studium der Partituren von Erich Urbanner, George Crumb und György Ligeti, die ihn seit Kindheit und Studienzeit begleitet hatten. „Meine eigenen Erkenntnisse und Ergebnisse mit diesen Improvisations- und Ausdrucksmöglichkeiten waren bis zum Jahr 2005 auf vielfältige Art angewachsen“, erinnert sich Lusser.
Dennoch fand er die Analyse der Methoden des Orgelkomponisten, des Improvisators Hermann Nitsch – die Art und Weise, wie er als Laie auf der Orgel spielte –,
„überraschend, neu und anregend“. Nitsch, so merkt Lusser an, habe „zwei genuin orgelspezifische Gegebenheiten, womöglich unbewusst, richtig erkannt und verwendet: die Möglichkeit unendlich lang klingender Töne, solange die Tasten gedrückt sind und Luft im Blasebalg vorhanden ist, sowie den Aufbau der Teiltonreihe: Oktav, Quint, Terz.“ Viele Nitsch-Improvisationen beginnen mit genau diesen Intervallen. Sie stehen am Beginn jener „langgezogenen Crescendo-Klangflächen“, die sich bedächtig aufbauen und entwickeln, „gekennzeichnet durch große innere Ruhe“. 
Die „Quintessenz des Orgelinstrumentes“, so Lusser, liege im „Nukleus des ‚Orgelmäßigen‘ wie lang andauernde Klangflächen und viele Töne umfassende Cluster im vollen Orgelklang, welche sich kraftvoll im Kirchenraum entfalten, einem riesigen Glockengeläute gleich“: Diese stünden im Zentrum von Hermann Nitschs Orgelkunst. 
Lusser fasziniert an Nitschs Kompositionen die völlig eigenständige und individuelle, nicht von einem akademischen Musikverständnis kanalisierte oder gar behinderte Herangehensweise an die Organisation von Klängen. Diese illustrieren für ihn Nitschs eigene Worte: „meine musik hat ihre wurzeln im grundsätzlich radikalen, excessiven, sinnlichen empfinden. im vorsprachlichen, in der orgiastischen erregung. im geschrei, im wollustschrei, im todesschrei, im angstschrei, im schrei der gebärenden, im jubelschrei der auferstehung. meine musik hat nicht in geringster weise illustrativen oder gar malenden charakter, sie bestimmt geschehnisse, so wie sie durch geschehnisse bestimmt wird“.
Erst ab etwa 2005, so erinnert sich Lusser, habe er zu begreifen begonnen, dass Nitsch für seine Aktionen eine in doppeltem Sinne eigene Musik benötigte – gerade weil das Thema für ihn keinesfalls entlegen war. „Er verfügte über ein tiefes Verständnis der gesamten Musikgeschichte in all ihren Ausprägungen, vom Gregorianischen Choral bis Arnold Schönberg und Anton Webern oder Olivier Messiaen; er wusste Bescheid über Richard Wagner genauso wie über Johann Sebastian Bach oder Heinrich Schütz“. Dass ein Teil dieses Verständnisses einfach auf Intuition beruht haben mag, schmälert Nitschs Kenntnisse für Lusser keineswegs – im Gegenteil.
Aber keine von anderen Menschen komponierte Musik, ist Ludwig Lusser überzeugt, hätte eine solche Entsprechung zu Nitschs bildnerischen und aktionistischen Arbeit haben können wie seine eigene. „Die Aneignung durch permanente Beschäftigung mit Musik zog sich durch sein ganzes Leben. Anfänglich experimentierte er mit Lärm, Geräuschen, Lauten, Geschrei, ohne die Organisation von Tonhöhen mit einzubeziehen. Aber im Laufe der Zeit verfeinerten sich seine Vorstellungen immer mehr und reichhaltiger.“ 
Dabei half, dass Nitsch mit dem Galeristenehepaar Erni und Herbert Gadenstätter bekannt war, die seit 1967 in Zell am See Ausstellungen, Vorträge, Performances und Konzerte veranstalteten. Deren Sohn, der 1966 geborene Komponist Clemens Gadenstätter, machte dann Nitsch, der sich durch das Studium von Partituren wie György Ligeti oder Karlheinz Stockhausen weitergebildet hatte, mit zusätzlichen Möglichkeiten musikalischer Notation vertraut. Diese wurden wohl in Absprache mit anderen professionellen Musikerinnen und Musikern in der Praxis überprüft und weiterentwickelt. Für seine eigene Notierweise benützte Nitsch Millimeterpapier, auf dem er „Tondauern, Toncluster, Tonstärke und etliche andere musikalische Parameter“ eintrug, erklärt Lusser. 
Um zugleich wieder zu relativieren und die so entstandenen Partituren als stark individuell geprägte Niederschriften zu klassifizieren, denn: Nähert man sich diesen ausschließlich mit der Brille eines professionellen Musikers, der an ein rasches, praktikables Umsetzen von Notation in Klang und an großformatige Werke etwa der Spätromantik gewöhnt ist, sind grundlegenden Missverständnissen Tür und Tor geöffnet. „Die Einrichtung für klassisches großes Orchester, die etwa Peter Jan Marthé von Nitschs Neunter gemacht hat – der sogenannten ‚Ägyptischen Symphonie‘ –, hat nach meiner Ansicht und Erfahrung mit Nitschs ursprünglichen Vorstellungen wenig bis gar nichts zu tun“, sagt Lusser. „Patrick Hahn hat das Werk 2023 mit dem Tonkünstler-Orchester Niederösterreich im Wiener Musikverein aufgeführt, zu Nitschs 85. Geburtstag, den er nicht mehr erleben konnte. Ein sehr gut gemeintes Unterfangen, das aber am Wesentlichen von Nitschs musikalischen Vorstellungen vorbeigegangen ist, vorbeigehen musste.“ Die jahrzehntelange Vertrautheit mit Nitschs Vorstellungen, wie sie etwa der Schüler und Assistent Andrea Cusumano in Prinzendorf besaß, fehlte da schmerzlich.
Ludwig Lussers Wissen um eine möglichst authentische Nitsch-Interpretation vertiefte sich in der Folge kontinuierlich – und gipfelte schließlich in direkter Zusammenarbeit mit ihm. „Seit dem Herbst 2006, ein Jahr nach der Begegnung mit Christoph Schlingensief auf der Orgelempore im Wiener Schottenstift, erlebte ich durch meine Arbeit als Domorganist in der St. Pöltner Domkirche ‚nitsch spielen‘ in vielfacher Weise“, erzählt Lusser. „Das Kulturkino ‚Cinema Paradiso‘ präsentierte 2006 und 2007 die aktuellen Filme über und mit Nitsch, die St. Pöltner Galerie Maringer stellte Schüttbilder aus.“ Auf die Entdeckung hochkarätiger Nitsch-Ausstellungen in der Kremser Kunsthalle mit Wolfgang Denk in den 1990er Jahren folgte Carl Aigner, der Nitschs Werke als Direktor des Landesmuseums Niederösterreich St. Pölten präsentierte. Schließlich wurde 2007 das Nitsch-Museum in Mistelbach eröffnet. „Diese regionalen Impulse verstärkten den Wunsch, ‚nitsch spielen‘ im St. Pöltner Dom mit Hermann Nitsch an der Orgel zu realisieren.“ 
Mit dem neuen St. Pöltner Diözesanbischof Alois Schwarz, der 2018 Nachfolger von Klaus Küng wurde, war auch von kirchlicher Seite grünes Licht für ein Nitsch-Projekt gekommen. Gleichzeitig ergab sich Lussers zufällige Bekanntschaft mit Renato Zanella, 1995 bis 2005 Ballettdirektor und Chefchoreograph der Wiener Staatsoper, eine weitere Verbindung zu Nitsch, denn Zanella und er waren durch gemeinsame Performances bei Christian Ludwig Attersee miteinander vertraut. 
Beim ersten Zusammentreffen mit Hermann Nitsch in der Stiftskirche St. Florian anlässlich seines Orgelkonzerts an der Bruckner-Orgel erlebte Lusser ungefähr eine Stunde Orgelmusik. Nitsch spielte in drei Blöcken zu je 20 Minuten seine Musik: „Lang andauernde Klangflächen, große Crescendi und Decrescendi, geprägt von größter innerer Anteilnahme und Ruhe, beginnend meistens mit einer Quinte“. Die Klangflächen veränderten sich dabei auf organische, natürliche Weise.
Aber wie war er selbst, dieser große Künstler und musikalische Dilettant im besten Sinne – wie ist er Ludwig Lusser entgegengetreten? „Ich selbst war heilfroh“, erklärt dieser, „dass ich mich damals schon so lange mit seiner Musik und seinen Konzepten beschäftigt hatte. Ich kann wohl nur ein Nobody für ihn gewesen sein, aber es gab keinen Funken von Arroganz oder Starallüren, er hat mich sofort auf freundlichste Weise ernst genommen. Das hat mich sehr berührt. Und so kümmerlich er schon auf den Beinen gewesen sein mag: Innerlich war er schnell und voller Energie. Er hat gar nicht so viel gesagt – aber was er gesagt hat, war unglaublich präzise und auf den Punkt gebracht.“ 
Sechs, sieben Stunden dauerte das erste Treffen in Prinzendorf – Speis und Trank natürlich inbegriffen. Freilich, der ursprüngliche Konzerttermin im Mai 2020 fiel der Pandemie zum Opfer; eine Woche vor dem Ersatztermin im November 2021 musste Nitsch dann wegen einer schweren Erkrankung ins Spital eingeliefert werden.
So wurde es für Ludwig Lusser in diesem Fall ein „nitsch spielen ohne nitsch“ im St. Pöltner Dom. Nitsch-Assistent Josef Smutny unterstützte ihn dabei mit den von Nitsch angefertigten und benutzten Hölzern, die auf Manual- und Pedalklaviaturen Cluster erzeugen, also viele Tasten gleichzeitig niederdrücken. „Nur die Obertasten, das klingt heller“, konnte ein typischer Hinweis von Nitsch lauten. „Natürlich hatte er damit völlig recht“, erklärt Lusser, „auch wenn man als Musiker nicht in diesen Kategorien denken mag. Denn die schwarzen Tasten allein ergeben einen pentatonischen Cluster, eben wie das schon erwähnte Glockengeläute.“
Sechs Nitsch’sche Schüttbilder hingen damals im Chor der Domkirche: unten drei aus der „Schwarzen Serie“, die die Passion darstellen, oben das „Auferstehungstriptychon“. In Renato Zanellas Choreografie stellten fünf Tänzerinnen ein performatives „Schüttbild“ im Kirchenraum dar, ergänzt durch ein Solo des St. Pöltner Tänzers Felix Röper. Ein musikalisches Triptychon bildeten Bachs Passacaglia und Fuge c-Moll, eine Improvisation nach Nitsch sowie eine gemeinsame Improvisation Lusser / Nitsch mit Chor. Einen beeindruckenden Effekt habe dabei etwa der tonale Klang des Chores gemacht, der nach einem plötzlich abreißenden Orgelcluster allein verblieb. Alles zusammen bildete den großen, nachhaltigen Akkord des „nitsch spiels“ in der St. Pöltner Domkirche.
Wenige Monate später, am Abend des Ostermontags 2022, verstarb Hermann Nitsch im 84. Lebensjahr. „Nitsch verstand sich als ‚Kirchenmaler ohne Kirche‘“, erklärt Lusser. Sein weiteres „nitsch spielen“ setzte sich etwa beim Requiem für Nitsch in Prinzendorf 2022 fort, im Planetarium Wien im November 2023 (AIAIA Milchstraße), in der Domkirche St. Pölten im April 2024 (Nitsch Tage), im Alten Dom zu Linz im September 2024 (anlässlich des 200. Geburtstags von Anton Bruckner).
 „Von Bruckner heißt es, er habe sich stundenlang am reinen C-Dur-Akkord der Orgel in der Stiftskirche St. Florian erfreuen können“, schmunzelt Ludwig Lusser. Als er Nitsch einmal fragte, ob er denn, wie einst Bruckner, freilich erfolglos, auch die Philharmoniker bei einem eigenen Werk dirigieren wollte, kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen: „Selbstverständlich! Es weiß ja nur ich, wie’s klingen soll!“ Und so hat auch Hermann Nitsch von einem tagelang erklingenden C-Dur-Akkord geträumt – als ein klingendes Symbol der Ewigkeit.

 

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